Wehrlosigkeit – Dekadenz oder Konsequenz?

Entscheidungen zum Kampf sind Entscheidungen im Zweifel, nicht nur wegen des ungewissen Ausgangs, sondern auch wegen des sozialen Rückstoßes, den jede Gewaltanwendung erzeugt. Werden andere mir helfen? Werden andere mich verurteilen? Wird der Staat mich verurteilen, und werden andere mir trotzdem beistehen? Das Umfeld des Gewaltübenden muß sich ebenfalls im Zweifel entscheiden, weil es die genauen Umstände einer Gewaltanwendung oft nie erfahren wird. Hier werden Grundentscheidungen wirksam, die den Inhalt von Begriffen wie Zusammenhalt, Loyalität und auch Volk ausmachen. Es geht letztlich um Parteilichkeit.

renaud-camus_der-grosse-austausch_720x600Parteilichkeit ist nun ein linker Begriff, und die Linken machen hier regelmäßig alles richtig. Trotz aller internen Streiteren stellt man sich nie auf die Seite des Gegners. Fehlverhalten auf der eigenen Seite wird, sofern es nicht als berechtigte Widerstandhandlung gewertet wird, geleugnet, relativiert oder der Gegenseite angelastet. Für Linke wäre die Auflösung der Pegida-Demonstration in Köln am 8. Januar gar kein Problem.

Diese wäre selbstverständlich eine Schweinerei, weil sich die große Mehrzahl aller Teilnehmer, auch der Hooligans, friedlich verhalten hätte. Nur eine kleine Gruppe an der Spitze, die womöglich staatliche Handlanger enthielt, sei auf die ständigen Provokationen der Polizei hereingefallen, was angesichts ihres Verhaltens an Silvester verständlich sei. Diese hypothetische linke Wertung entspräche sogar weitgehend den Tatsachen, nur für die Gruppe an der Zugspitze müßte ich mich im Zweifel entscheiden – und ich täte mir keinen Gefallen, stellte ich mich voll auf die Seite des Staates.

Gerade die Hooligans, die ja schon oft genug gewaltfrei demonstriert haben, sind ein gutes Übungsobjekt für das Entscheiden im Zweifel. Ich will sie gar nicht idealisieren. Ich will mich nur selbst nicht mehr idealisieren. Meine Vollkontakt-Kampfsport-Zeiten sind lange vorbei, ich bin darin nie gut gewesen, und meine Gewaltpraxis beschränkt sich auf das Durchbrechen einer Antifanten-Blockade durch Wegdrängeln. Doch das habe ich gelernt: jemand, der mich auf die Matte schickt, der ist im Bezugssystem Gewalt schlicht besser als ich. Ein Hooligan kann etwas, das ich nicht kann.

Stünde ein Hooligan vor mir und fragte er mich, was ich ihm beim  Wechsel zu einem anständigen bürgerlichen Lebensstil als Ausgleich für seine Fäuste, seine Aggression und den Zusammenhalt in seiner Gruppe anzubieten hätte, was sollte ich ihm nennen? Recht, das nicht vollzogen wird? Institutionen, die sich längst gegen mich gewendet haben? Argumente, die nicht gehört werden, ja nicht einmal gesagt werden dürfen?  Eine soziale Formation ohne inneren Zusammenhalt?

Ich habe nichts vorzuweisen, und ich will weder mir noch anderen darüber länger in die Tasche lügen. Nicht der Hooligan ist das Problem, sondern daß er fast der einzige ist, der außerhalb der Linken und Invasoren noch über eine effektive Gewaltfähigkeit verfügt. Die hat er, und hier schließt sind der Kreis, weil sie für ihn wegen ihres Erlebniswertes einen Eigenwert hat.

Was also wäre zu tun?

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Über piejayb

61 Jahre junger Mann der ausgewandert ist, weil ihn das Leben in Deutschland schon seit sehr langer Zeit so verlogen vorkam, dass es ihn regelrecht ankotzte. Jetzt wo er tatsächlich weg ist, zeigt es sich deutlich wie recht er doch mit seinem Gefühl hatte.

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