Quo vadis Hubschrauberträger Mistral

Was passiert mit den franko-russischen Helikopter-Trägern “Mistral”?

Die Hubschrauberträger “Wladiwostok” und “Sewastopol” vom Typ “Mistral”, in Frankreich im Auftrag der Russischen Föderation gebaut, wurden noch vor Vollendung der Betriebsprüfungen ein Gegenstand eines grausamen politischen Spiels. Sie ihrem Besteller zu übergeben verbieten Frankreich die Vereinigten Staaten von Amerika (nicht nur mit der Peitsche, sondern auch dem Pfefferkuchen: es gibt Hinweise auf eine Teildeckung der Schäden durch Bestellung eines Personen-Linienschiffs in derselben Werft).Die vollständige Auflösung des Vertrages verpflichtet Frankreich nicht nur, alle schon geleisteten Vorauszahlungen an den Besteller zurückzugeben (890 Millionen Euro — in den Gesamtpreis für ein Schiff, der eine Milliarde deutlich übertritt, gehen auch der Preis der Sektionen ein, die auf der russischen Werft gebaut und danach nach Frankreich zur Montage geliefert wurden), sondern auch um ihre eigenen Kosten zu decken, für die Prozente auf diese Auszahlungen (einschließlich ihre gewöhnlichen Handelskredite) aufzukommen, die Kosten für den langwierigen Aufenthalt der fertigen Schiffe auf der Werft zu tragen, die Kosten für die Demontage zu verbuchen — alles in allem etwa dreihundert Millionen Euro.

Und dann sieht der Vertrag auch noch eine Vertragsstrafe für ein beliebiges Versäumnis, ganz zu schweigen für die Auflösung ohne triftige Gründe vor. Mit einem Wort, Frankreich kann von zwei bis zu fünf Milliarden Euro ausgehen — diese Summe ist sehr schmerzlich, sogar in Perioden des Booms, und ja, erst recht bei der aktuellen zweiten großen Depression, sie ist einfach astronomisch. Ganz zu schweigen vom Verlust der Märkte (nicht nur für Waffen, sondern auch andere Hochtechnologie), denn wer wird riskieren, etwas langfristig dort zu bestellen, wenn der Käufer nach der transatlantischen Pfeife gezwungen werden kann, alles umzuwerfen! Indien hat bei den bloßen ersten Andeutung eines Verzugs — nicht der Aufhebung! — der Lieferungen des “Mistral” die Bestellung der französischen Jagdflugzeuge “Rafale” von 124 auf 36 verringert und als Ersatz ist man im Begriff, den ohnehin umfangreichen Park seiner Jagdflugzeuge aus russischer Produktion zu ergänzen.

Frankreich hat, zur Vermeidung des schnellen Ruins auf Grund des amerikanischen Befehls (von anderen Sanktionen getroffen, die laut desselben Befehls eingeführt wurden, wird die Europäische Union merklich langsamer in den Ruin getrieben, als Frankreich vom Lieferverbot des “Mistrals”), der Russischen Föderation den folgenden Kompromiss angeboten: die Russische Föderation erlaubt, die Schiffe jemand anderem zu verkaufen und Frankreich gibt das Geld zurück. Freilich, nicht alles, es sind nur 780 Millionen Euro aus irgendeinem Grunde veröffentlicht. Aber die Russische Föderation hat dennoch einigen Gewinn: sie hat von Frankreich die Technologie der Großblockmontagen der Schiffe erhalten und bereits Sektionen auf unserer Werft produziert, die mit den Französischen Teilen genau paßten. Aber es bleiben noch einige Fragen. Ob man die Reputation unserer Konkurrenten auf dem weltweiten Waffenmarkt besonders schützen muß? Was macht die russische Flotte ohne verhältnismäßig moderne Schiffe — die begriffliche Durcharbeitung des Projektes hat im Jahr 1997 angefangen und der Bau des “Mistrals”, der der ganzen Serie den Namen gab, begann 2002. Und wem können die Schiffe zufallen, die auf unsere Bestellung hin aufgebaut wurden?

Die Antwort auf die erste Frage ist meiner Meinung nach offensichtlich. Schon seit fast drei Jahrzehnten unterrichtet man uns: auf dem Markt gibt es keinen Platz für Sympathien oder Gnade. Wenn die Vereinigten Staaten von Amerika — anscheinend — ihren Verbündeten in der NATO so in Schwierigkeiten gebracht haben, brauchen wir sie nicht zu retten.

Mit der Beantwortung der zweiten Frage ist es noch einfacher. Schon zur Zeit der Bestellung der “Mistrals” durch die Russische Föderation — der Vertrag wurde am 24.12.2010 geschlossen — haben viele Militärfachkräfte im Land und in der Welt bemerkt: in absehbarer Zukunft gibt es für sie keine Angriffsziele — die Militärdoktrin der Russischen Föderation vermutet keine entfernten Übersee-Expeditionen. Ja es verbarg schon damals niemand: Die Hubschrauberträger wurden aus politischen Gründen — für das Einrichten des Kontaktes und der Wechselwirkung mit der damaligen französischen Führung — eingekauft. Man kann sie gern für eine eigentümliche Bezahlung dafür halten, dass unsere Handlungen im Verlauf der Fünftagekriegs (08.-12.08.2008) — die Beendigung der Aggression Georgiens gegen Südossetien und anschließend die russischen Friedenstruppen in ihr — in der schlußendlichen Rechnung richtig waren, gerade auch in dem Zusammenhang die Position des damaligen französischen Präsidenten anerkannt wurde.

Nach der Erfahrung jetziger Sanktionen gegen die Russische Föderation, die die USA infolge des von ihnen betriebenen Umsturzes in Kiew organisiert hat, übersteigen die möglichen Schäden durch die Sanktionen infolge des Krieges, den dieselben USA für die Unterstützung der Kandidatur McCains bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen provoziert hat, den Preis der Bestellung der “Mistrals” um ein vielfaches. Selbst wenn uns die Franzosen nicht einen Groschen zurückgeben sollten — der Vertrag ist dennoch schon lange gedeckt. Und unsere Flotte wird ohne diese Schiffe nichts verlieren: alles, was wir in puncto Konstruktion dieser Schiffe wissen müssen, haben wir studiert und können wir selber machen.

Wer kann denn nun als Käufer der “Mistrals” auftreten? Bisher hat sich für diese Rolle nur die Ukraine gemeldet. Freilich bittet sie, ihr die Schiffe umsonst — einfach zum Trotz und zum Ärger der Russen — zu übergeben. Im übrigen, bei ihnen gibt es seit langem nicht mal einen Groschen zu holen. Die fragile Stabilität ihrer Wirtschaft konnten die sachkundigen Wirtschaftsfunktionäre ähnlich Viktor Fjdorowitsch Janukowytsch, zweimal — in 2002–2004 und 2006–2007 — Chef der Regierung und dabei nach einem Wirtschaftswunder strebend, und Mykola Janowitsch Pachlo (nach dem Namen seiner Frau — Asarow), Vertrauter und Ministerpräsident von Präsident Janukowytsch, nicht verbessern. Aber die Menschen begreifen, daß nachdem die Verantwortlichen schon seit langem wegen voller professioneller Untauglichkeit hinausgeworfen wurden, die letzten Tage der Wirtschaft der Ukraine buchstäblich gekommen sind (ganz zu schweigen von der methodischen Zerstörung der Hauptexportproduktion im Donbass durch die Kiewer Terroristen).

Selbst wenn man der Ukraine die “Mistral” tatsächlich schenken würde — sie könnten sie nicht unterhalten. Bestenfalls wird sie die Schiffe bald in denselben Zustand versetzen, in dem sich jetzt der ihr zugefallene Teil der Schwarzmeerflotte der UdSSR befindet. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach — würde man sie wieder verkaufen, die Aufmerksamkeit nicht auf die juristischen Kleinigkeiten und das Zertifikat des Käufers richtend: selbst wenn sich diese Schiffe irgendwann mal im Militärhafen des Odessaer Hafens befinden sollten (wo es sich im übrigen als ziemlich schwierig erweisen wird, festzumachen), so wird selbst dann noch nicht klar sein, wer sie ernsthaft einsetzen kann.

Und wieder stellt sich die Frage — zu wem sollen die Schiffe kommen? Jetzt gibt es unter den Ländern, die fähig sind, entfernte Expeditionen einfach zu organisieren, keine, die diese Hubschrauberträger überhaupt haben wollen. Die Vereinigten Staaten von Amerika verfügen über eine eigene Flotte von Landungsschiffen und Flugzeugträgern — und die ist so umfangreich, dass noch zwei Schiffe ihre Möglichkeiten übersteigen könnten. Dazu kommt, dass sie sehr teuer in der Bedienung und Unterhaltung sind. Und was man fast nicht sagen mag, das Geld für den Kauf in der jetzigen Krisenlage fällt sogar den Besitzern der Gelddruckerei von Dollars, schwer.

Britannien hat die Kolonialaktivität seit langem zurückgefahren und ein zweiter Falklandkonflikt ist zur Zeit unter viel ernsteren politischen Umständen nicht zu sehen. Indien hat wenig Interessen außerhalb seines historischen Erbes, das eigentlich nur aus der indischen Republik besteht, zumal nach dem Weggang der Briten die mohammedanischen Regionen abgestoßen wurden — Bengalen und Pakistan, aber in diese Regionen kommen die Inder auch zu Fuß.

Wohl das einzige Land, dass fähig ist, die “Mistral” zu realen Landungszwecken zu verwenden — ist die Volksrepublik China: in ihrer Umgebung ist Wasser, nicht wenig strittige Inseln und die Wiedervereinigung mit Taiwan kann nicht allein  auf friedlichem Weg geschehen. Aber die politische Stärkung der Volksrepublik China beunruhigt jetzt schon die USA sehr stark. Einen beliebiger Übergang unter die Kontrolle der Volksrepublik China irgendwelcher zusätzlicher Territorien würde die Autorität der Republik so erhöhen, dass die USA auf keine Weise mehr beanspruchen könnten, in den Augen der Welt das größte Machtzentrum zu sein. Das bedeutet, dass die USA, eben weil die Volksrepublik China diese Schiffe nutzen könnte, Frankreich nicht erlauben würde, sie dorthin zu verkaufen. Außerdem, wie ich schon hörte, kann es die Schiffe der Ukraine nicht einmal schenken, weil die sie sofort China verkaufen würde.

Ich meine, die USA werden der Übergabe der “Mistrals” an einen Kandidaten nur dann zustimmen, wenn sie dadurch in irgendeiner Weise den nächsten Keil zwischen der Russischen Föderation und der Volksrepublik China treiben können. Aber in Anbetracht des Nebeneffekts, der Stärkung von Chinas Seemacht, werden die USA nur dann riskieren, diesen Keil einzuschlagen, wenn die übrigen Möglichkeiten, Reibungen zwischen diesen Ländern zu erzeugen, erschöpft sind.

Also bleiben die “Mistral” wohl aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Werft, bis sich die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika noch komplizierter sind – und danach sieht es im Moment nicht aus.

Invictus maneo!
Bitte teilen! :)
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Kommentare

Quo vadis Hubschrauberträger Mistral — 2 Kommentare

Kommentar verfassen