Mörder per Joystick

Makaberes spielt sich monatlich einmal in Washington ab:  Kongressmitglieder der Ausschüsse für die Nachrichtendienste versammeln sich im Hauptquartier der CIA und verfolgen auf einer Video-Wand, wie Menschen durch Drohnenangriffe zerplatzen. Die New York Times hat darüber geschrieben und erklärt, daß dadurch „eine strenge Kontrolle durch den Kongress über das Programm gezielter Tötungen“ gewährleistet sei. Das Programm wurde vor 10 Jahren bereits durch Beamte der CIA entwickelt, die mittlerweile in die  höchsten Ränge befördert wurden. „Manche von ihnen haben auch die Leitung für die Folter-Programme in den geheimen Gefängnissen gehabt“. []

Die Morddrohnen gehören nun zum Alltag der „amerikanischen Art, Krieg zu führen“. Die Erklärung der New York Times unterstreicht, daß Präsident Obama bei seinem Treffen mit Premierminister Renzi sehr wohl Kenntnis davon hatte, daß vor über drei Monaten  der italienischer Entwicklungshelfer Giovanni Lo Porto, der in Pakistan von einer bewaffneten Gruppe entführt worden war und nach Geheimverhandlungen mit seinen Entführern kurz vor der Freilassung stand, durch eine Drohne der CIA getötet wurde. Obamas geäußerter „tiefer Schmerz“ schließt also nicht den Einsatz von Morddrohnen ein. Eben jener Präsident zeichnet regelmäßig die „Liste der Zielscheiben“ ab, in der Personen aus der ganzen Welt aufführt werden, die unter Vorwurf des Terrorismus, zum Tode verurteilt wurden. Der Präsident allein trifft „Die endgültige moralische Bewertung“, besonders wenn „sich bei dem Cover-S-O-S_KleinTerroristen, der durch eine Drohne getroffen würde, seine Familie befindet“. Ist der Name abgezeichnet, wird 10.000 Kilometer entfernt in den USA oder vom rheinland-pfälzischen Ramstein aus der Flugkörper gegen jenen Unterschlupf des Terroristen – in Pakistan oder einem anderen Land – gestartet. Auch in diesen Fällen wird die deutsche Bundesregierung mitschuldig. Weder Frau Merkel, noch der Betroffenheitspräside im Schloß Bellevue und niemand im Verteidigungsausschuß lassen sich dadurch ihren Schlaf stören. Der Tag könnte kommen, an dem die Deutschen auch dafür „Reparationen“ und „Wiedergutmachung“ leisten müssen.

Die CIA setzt die Morddrohnen in Afghanistan, in Pakistan, im Irak, in Jemen, in Somalia und anderen Ländern ein. Das Pentagon versuchte zwar 2013,  die Kontrolle über alle Drohneneinsätze zu übernehmen, es konnte sich aber nicht durchsetzen. Die Mord-Drohnen der CIA werden ergänzt durch  etwa 250 Angriffsdrohnen der U.S. Luftwaffe, als Teil der Flotte von etwa 7.500 Drohnen, die das Pentagon logistisch führt. Die Zahl nimmt zu, obwohl offensichtlich Drohnenpiloten rar sind. Der Dienst ist stressig, was die „Kollateralschäden“ vergrößert. Da die Mehrzahl der Drohnenangriffe gegen Häuser (in Pakistan mehr als 60 Prozent) gerichtet ist, steigt die Zahl der Zivilopfer (vor allem Frauen und Kinder). Die vollautomatisierten Flugkörper, sind in der Lage, autonom abzufliegen, anzugreifen und danach zur Basis zurückzukehren. Ein europäisches Konsortium konstruiert unter Beteiligung von Alenia Aermacchi „nEUROn“, die als „Nervenzelle“ fähig sein wird, „selbsttätig ihr Ziel zu erkennen“.

Italien soll sich am Drohnenkrieg beteiligen, das hat Verteidigungsministerin Roberta Pinotti in Erwartung des vollautomatisierten Krieges, entschieden. Sie hat Washington gebeten, die MQ-9 Reaper, die US-amerikanischen Morddrohnen, die Italien gekauft hat und die fähig sind, je 14 Hellfire-Raketen abzuschießen, zu bewaffnen. Sehr geeignet, um in Libyen die Boote der Menschenhändler zu zerstören. „Ohne Nebenschaden“ irgendeines anderen Massakers an Unschuldigen.

Manlio Dinucci

Quelle: Voltairene.org

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