Entsetzen an den Weltbörsen

Anschnallen und festhalten. Der Wagen der Achterbahn ((c) Bild: Stefan Scheer) hat die Kurve zur Schußfahrt gerade überquert. Der längst vorhergesagte Crash hat begonnen. Noch will die Welt nicht wahrhaben, daß sie auf dem Weg in eine ausgewachsene Panik ist.

Den Startschuß zum Rausch in die Tiefe hat am frühen Montag China gegeben. In Shanghai rutschte das Leitbarometer, der Composite Index, für das laufende Jahr neun Prozent ins Minus. Großes Entsetzen. Im Morgengrauen zerrten aufgebrachte Anleger in Shanghai den Chef der Fanya Metals Exchange, einer Börse für Industriemetalle der zweiten Reihe, aus seinem Bett und überstellten ihn der Polizei.

Der DAX-Index hat nach einem (noch moderaten) Einbruch drei Prozent abgegeben und steht damit erstmals im laufenden Jahr unter der Marke von 10 000 Punkten. Insgesamt ging an Europas Börsen in den ersten Handelsstunden ein Börsenwert von 230 Milliarden Euro in Rauch auf – dem Wert der jährlichen Wirtschaftsleistung von Portugal. Und das war noch, bevor die Wall Street am Nachmittag im Sturzflug die neue Börsenwoche einläutete und alles deutlich schlimmer machte.
Aber nicht nur an den Aktienmärkten kracht es. Auch im Wechselkurs-Universum herrschen schwere Turbulenzen. Nicht nur der Dollar kommt ins Rutschen. Der niedrige Ölpreis ließ den russischen Rubel gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Kurs aller Zeiten fallen.

Nur der Euro steigt plötzlich gegenüber dem Dollar – trotz des politischen Chaos in Griechenland und trotz der wirtschaftlicher Stagnation in der Euro-Zone und trotz einem miserablen Krisenmanagement der EZB – und wird zum sicheren Hafen. Verkehrte Welt. Die scheinbare Stärke des Euro beweist nur, um wie viel desolater es um die anderen Volkswirtschaften und Währungen derzeit aussieht. In Asien scheint sich zu wiederholen, was 1997 geschah. Die Aktien in Fernost stehen seit Montag auf den niedrigsten Stand der letzten drei Jahre. Der Nikkei-Index kollabiert.

927200Die Mehrzahl der Energie- und Rohstoff-Notierungen fällt auf neue Tiefs. Die panische Furcht, daß es in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft auf dem Planeten, zu einem Finanz-GAU kommt, ist aber oberflächlich der Auslöser.
In Wirklichkeit beginnen die ersten Anleger und Investoren zu begreifen, daß sie wieder einmal von Top-Analysten und den Mainstream-Medien hinters Licht geführt wurden. Wie unzählige Male hat sie ihre Gier blind gemacht. Unzählige Male passiert immer das gleiche. Nur so läßt sich ein rigoroser Abverkauf inszenieren. Und nur so können die Shorties satte Gewinne einstreichen. Beim großen Hosenflattern herrscht an Wall Street High Noon.

941600Noch ein paar Tage und die Erkenntnis breitet sich aus, daß die Notenbanken den tosenden Sturm nicht mehr aufhalten werden.Deren Köcher sind zwar nicht völlig leer, viele Billionen Dollar könnten sie über dem Planeten noch abladen, aber die Zinsen nicht weiter senken. Aber auch nicht anheben.
Eine Zinswende wird es in den USA nicht geben. Janet Yellen wird kneifen. Die Abwertung des Yuan, die Schwäche der Weltkonjunktur und die marode US-Wirtschaft nehmen der Fed für eine Zinsanhebung jeglichen Spielraum.

EZB-Chef Mario Draghi dürfte als letztes Mittel die Geldschleusen noch weiter öffnen.
Die Weltwirtschaft taumelt, das zeigen die führenden Barometer wie der Shanghai Containerized Freight Index und der Baltic Dry Index. Beide fallen wie reifes Obst im Sturm. Die Raten für den Gütertransport auf See von Asien nach Nordeuropa sind allein in der vergangenen Woche für 20-Fuß-Container um circa 27 Prozent (!) gefallen. Laut ZeroHedge sind die Frachtpreise in den letzten drei Wochen um 60 Prozent gefallen. Deutlicher läßt sich nicht beschreiben, wie rasant die Weltwirtschaft gegen die Wand fährt. In diesem Umfeld geht der Goldpreis-Manipulation die Luft aus. Gold hat seit Beginn des Monats um 80 Dollar je Feinunze gut gemacht.

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