Das nahe Ende des Petro-Dollars

Die USA haben mit enormen Finanzmitteln ihre Schieferöl-Produktion angeschoben. Das Verfahren ist nicht nur in hohem Maße umweltschädlich, sondern äußerst kostenaufwändig. Zig-Milliarden Dollar wurden in den letzten Jahren hier investiert. Sie sind noch längst nicht amortisiert. Infolge des jetzt jüngsten Deals mit Iran wird es zu einer Ölschwemme auf dem Weltmarkt kommen. Die Frakking-Unternehmen in den USA werden unter den Dumpingpreisen kollabieren. Warum hat Amerika trotzdem mit den Deal mit Iran vereinbart?

John Kerry (Außenminister USA) begründete den jüngsten Iran-Deal mit vier Worten: „sonst kollabiert der Dollar“. Was er damit gemeint hat, folgte im nächsten Satz: „Das ist ganz einfach, seit 2007 wollten wir jedes Jahr den Iran angreifen“. In der Tat haben die USA eine lange Tradition im Streit mit Iran. Es geht allein um Öl, um Öl und nichts anderes. Irans Ölvorkommen sind etwa zehn mal größer als die Saudi Arabiens.
Das saudische Öl läßt sich zwar leichter fördern, doch das ist nicht der eigentliche Grund, weshalb die USA bisher ganz auf saudisches Öl gesetzt haben. Der Kernpunkt ist, daß sich die Saudis den USA gegenüber verpflichteten, ihr Öl nur gegen Dollar zu verkaufen. Das Abkommen geht auf das Jahr 1971 zurück, als man nach der Aufhebung der Dollar-Goldbindung einen neuen Anker für den Dollar brauchte, damit dieser nicht auf der Stelle seine Rolle als Weltreservewährung eingebüßt hätte. Saudi-Arabien war zu diesem Deal bereit.

Iran weigerte sich, eine solche Verpflichtung einzugehen. War aber durch seine Beziehungen zu Rußland und China nicht so einfach auszuschalten wie der Irak mit Saddam Hussein oder Lybien mit Gaddafi. Stattdessen hat man Iran mit vorgeschobenen Gründen (Atomstreit) sanktioniert und dem Land die Möglichkeit genommen, eine erforderliche Infrastruktur zur Exploration seiner Ölreserven aufzubauen. Amerika und Großbritannien haben Iran mit ihrer auch von Israel gepuschten Sanktionspolitik seit Jahrzehnten im Würgegriff, um zu verhindern, daß das Land ein Global Player im Ölgeschäft wird. Dazu brauchte es Atomenergie.

Plötzlich zählt der bisherige Vorbehalt, auf jeden Fall die Atomwaffenfähigkeit des Iran zu verhindern nicht mehr. Auch wenn der israelische Ministerpräsident Netanjahu dagegen Sturm läuft. Warum diese Kehrtwende?

Nachdem Iran signalisierte, seine enormen Ölreserven nach China, Indien und anderen Abnehmern gegen Gold und nicht gegen Dollar zu vemarkten, wurden die Amis plötzlich verhandlungsbereit. Kerry hat begriffen, wenn die USA jetzt keinen Deal mit Iran vereinbaren, dann hilft der Rest der Welt, in erster Linie Russen und Chinesen dem Iran.

Die US-Staatsdoktrin wegen angeblicher Versuche des Iran, die Bombe zu bauen, wird zwar noch schlicht durch unbedeutende Vertragspunkte am Leben gehalten, spielt aber nicht mehr eine entscheidende Rolle. Im Gegenzug verspricht der Iran, seine Ölgeschäfte künftig wieder in Dollar abzuwickeln. Ein Versprechen, daß wie vieles in der Diplomatie jederzeit gebrochen werden kann. Wichtig für den Iran ist allein, daß man nun voll an den Ausbau der Infrastruktur im Energiesektor herangehen kann. Sobald das Öl sprudelt, sieht die Welt anders aus. Die Saudis müssen sich zutiefst düpiert fühlen. Wegen ihrer Abhängigkeit von der amarikanischen Schutzmacht dürfte der Petrodollar noch eine Weile Bestand haben.

Vor dem Ende des Petrodollars werden der Euro und Europa ins Chaos stürzen und der Dollar neue Höhen erklimmen. Die Europäer werden in den Greenback, in US-Staatsanleihen und Sachwerte flüchten.

Wenn der Petrodollar stürzt, taumelt die Welt ins Chaos.

Bücherempfehlungen:

Mit der Ölwaffe zur Weltmacht
F. William Engdahl
Die aufregende Geschichte des Erdöls, das in der Hand kalt kalkulierender Strategen zur Waffe um die Weltherrschaft wurde.
Dieses Buch verfolgt einen manchmal fast unsichtbaren Faden, eine rote Linie der Ölgeopolitik und der Militär- und Finanzmacht, die mehr als ein Jahrhundert lang ein Hauptfaktor für die Entscheidungen von Regierungen, Terroristen und ganzen Ländergruppen gewesen ist. Nichts hat die Geschichte der letzten hundert Jahre so geprägt wie der Kampf um die Kontrolle der Weltölreserven. William Engdahls Betrachtungen bieten dem Leser einen beeindruckenden Blick hinter die Kulissen der Weltpolitik. Er beleuchtet die wahren Hintergründe von Kriegen und Wirtschaftskrisen, von Attentaten und Mordanschlägen. Ausführlich geht er auf Schlüsselindividuen und -institutionen wie etwa David Rockefeller, Henry Kissinger, Zbigniew Brzezinski, Winston Churchill, den Council on Foreign Relations, die Bilderberger, die Trilaterale Kommission und deren tatsächlichen Machteinfluss ein – mehr als jedes andere gegenwärtig erhältliche Werk zu diesem Thema.

Es klebt Blut an Euren Händen
Engdahl, Frederik William
Alles dreht sich ums Öl damals, heute und erst recht morgen und übermorgen. Je knapper der Rohstoff, umso erbarmungs- und skrupelloser tobt der Kampf darum. Wer Öl besitzt, dem gehört die Welt und umgekehrt. Waren im Ersten und Zweiten Weltkrieg lediglich die Versorgungswege kriegsentscheidend, wird spätestens seit den Golfkriegen um den dirketen Zugang zu den Ölquellen gerungen und Blut vergossen. §Daran wird sich voraussichtlich auch nichts ändern. Im Gegenteil, der Kampf um den Schmierstoff der Weltwirtschaft wird sich verschärfen so die Feststellung von William Engdahl.

S.O.S. Germany
Arnold, Wolfgang
Es spielt überhaupt keine Rolle, ob eine Frau, ein Mann, eine riesige Kröte oder Donald Duck auf dem Führerstand stehen. Der Zug rollt, niemand kann noch irgend etwas korrigieren. Der Welthandel steht vor einer lawinenartigen Transformation von der Geldwirtschaft zur Tauschwirtschaft. Das Ereignis wird dem internationalen Währungssystem den Teppich unter den Füßen wegreißen. In der bevorstehenden Deflation wird Tauschhandel die ultimative Handelsform.

Machtwechsel
Slater, Robert
Das schwarze Gold: Erdöl – nach Wasser, Luft und Sonne der wahrscheinlich wichtigste Rohstoff für einen Menschen in der westlichen Welt. Kaum ein Produkt kommt ohne Öl als Bestandteil aus oder wird ohne Maschinen, in denen Öl zum Einsatz kommt, hergestellt. Die wachsende Abhängigkeit von diesem kostbaren Rohstoff hat in den letzten 40 Jahren zu extrem gestiegenen Preisen und einer gesteigerten Produktion geführt. Es hat Nomaden zu Milliardären und Industrienationen zu Rohstoff-Junkies gemacht. Es war der Grund für Kriege und Revolutionen, Auslöser von Naturkatastrophen und hat Fußball-Vorstadt-Vereine zu internationalen Spitzen-Clubs gemacht. Das „schwarze Gold“ hat dabei schon längst das eigentliche Gold an Bedeutung abgelöst.

Flüssiges Gold
Bey, Essad
Eine Rarität! Nachdruck des Originals von 1933.

Europa im Erdölrausch
Ganser, Daniele
88 Millionen Fässer Erdöl werden weltweit täglich verbraucht. Das sind 44 Supertanker. Woher kommt das Öl? Wie hat es die europäische Geschichte in den letzten 150 Jahren beeinflusst? Und vor allem: Warum geht es uns jetzt aus?Daniele Ganser, Peak-Oil-Experte und Friedensforscher, legt die erste Gesamtdarstellung zu Europas Erdöl-Abhängigkeit vor.

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