Europa vor dem Zusammenbruch des Euro-Systems

Während sich die griechische Krise weiter zuspitzt und mit Sicherheit noch im Juni ihren Höhepunkt erreichen wird, wird die Idee eines geeinten Europa so löchrig wie ein Schweizer Käse. Während dieser Artikel geschrieben wird, werden Ultimaten mit Gegenultimaten beantwortet.

Ganz gleich, ob Griechenland seine Zahlungen an den IWF schon jetzt einstellt, weil es die von der Troika geforderten weiteren Austeritätsmaßnahmen, wie z.B. Steuererhöhungen im Umfang von 3,5 Milliarden und weitere Kürzungen im Sozialbereich nicht akzeptieren kann, oder ob die EZB, Merkel und Hollande im letzten Augenblick ein etwas weniger brutales Austeritätsprogramm vorschlagen: es gibt innerhalb der gegenwärtigen EU-Logik keinen Ausweg – weder für Griechenland, noch für die EU.

Denn neben den 1,5 Mrd. Euro, die Griechenland noch im Juni an den IWF zahlen muß, hat das Land weitere 360 Milliarden Euro (!) Schulden bei der EZB. Wenn nicht quasi ein Wunder geschieht – also z.B. die Gläubiger der von Griechenland geforderten europäischen Schuldenkonferenz zustimmen, wofür gegenwärtig die Chancen allerdings gegen Null streben –, wird die Politik der EU Griechenland in die Insolvenz treiben.

In diesem Augenblick, und nicht erst nach Ende der 30tägigen Frist, die dann theoretisch noch bliebe, bis die endgültige Insolvenz technisch eintritt, droht es zu einem generellen Kollaps der europäischen Banken zu kommen, und aufgrund der Derivatrisiken und Swap-Abkommen zwischen EZB und Fed auch zu einem Kollaps des amerikanischen Finanzsektors.

Cover-S-O-S_KleinDas Lager derer, die – wie IFW-Chefin Lagarde und hin und wieder der deutsche Finanzminister Schäuble – beschwören, ein „Grexit“ sei verkraftbar, quasi schon eingepreist, besteht gleichzeitig auf der Einhaltung des drakonischen Austeritätspakets, weil man hier mehr Angst davor hat, daß ein Nachgeben der Troika eine Signalwirkung für die anderen, ebenfalls mit brutalen Austeritätspaketen geknechteten Staaten, wie Spanien, Portugal, Italien und sogar Frankreich haben würde. Dahinter steht das Kalkül, es sei besser, ein zur Drachme zurückgekehrtes und dann bettelarmes Griechenland zu haben, das als abschreckendes Beispiel für die anderen potentiellen Euro-Ausstiegs-Kandidaten diene, als eine Aufweichung der Zahlungsdisziplin und damit das Ende des Euros.
(Anmerkung: China & Co erobern den Westen)

Vor allem aus den USA kommen panikartige Warnungen, etwa von US- Finanzminister Jack Lew, daß ein Grexit dramatische Konsequenzen für das Weltfinanzsystem haben würde. Paul Krugman warnte in einem Artikel in der New York Times mit dem Titel „That 1914 Feeling“ („Dieses 1914er Gefühl“), die Unfähigkeit der Europäer die Griechenlandkrise zu lösen, erinnere in unheimlicher Weise an deren Fehlkalkulationen vor dem Ersten Weltkrieg. Krugman zitiert, wie er sagt mit Absicht, das jüngste Buch von Christopher Clark, Die Schlafwandler, das die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs zum Thema hat. Er vergleicht die Beurteilungsfehler, ja sogar den Enthusiasmus, mit dem sich die Europäer 1914 in den Krieg stürzten, mit der heutigen Nonchalance gegenüber Griechenland. Weiß Krugman mehr, als er sich mit diesem ominösen Vergleich zu schreiben traut?
(Anmerkung: Der Raubzug des IWF geht seinem Ende entgegen)

Eine andere Variante von Wolkenkuckucksdenken reflektiert der italienische Wirtschaftsminister Padoan, der soeben schwärmte, nach einem Grexit werde die Euro-Zone ein ganz anderes Wesen – nämlich eines, aus dem man einfach austreten kann –, aber ein solcher Grexit sei ein willkommener Anlaß, die Integration Europas weiter voranzutreiben.

Offensichtlich liest Herr Padoan nicht einmal Zeitungen. Der britische Premierminister Cameron wurde soeben bei Hollande und Merkel vorstellig, daß die EU- Mitgliedschaft Großbritanniens nur dann eine Chance hätte, das bevorstehende Referendum zu überleben, wenn der EU-Vertrag geändert und mehr Autonomie an die Staaten zurückgegeben würde. Und Frau Merkel, in offensichtlicher Affinität mit Cameron und der Erkenntnis, daß die EU einen „Brexit“ auch nicht überleben würde, versprach sogar, für eine Neuverhandlung des EU-Vertrages offen zu sein. Wer aber glaubt, daß es unter den gegenwärtigen Bedingungen gelingen könnte, unter den 28 EU- Mitgliedern Zustimmung zu einem neuen EU-Vertrag zu erreichen, leidet unter einem erschreckend weitgehenden Realitätsverlust….

Weiterlesen: http://www.bueso.de/node/8042

gepostet am 8. Juni 2015 bei POLITAIA (Beitragsbild ebenfalls von dort)

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